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Trockenbau

Umbau leicht gemacht: Trockenbau ist flexibel und preisgünstig

Sie wollen Ihrem Heim ein neues Gesicht geben? Eine altmodische Wand verschwinden lassen oder einen Speicher ausbauen? Gemütliche Nischen schaffen oder schlauchförmige Zimmer durch einen Raumteiler gemütlicher machen? Dann sind Sie mit dem sogenannten „Trockenbau“ gut bedient. Mit ihm geht der Innenausbau Ihres Hauses mit wenig Schmutz, ohne Feuchtigkeit und trotzdem fantasievoll über die Bühne.
Schreiner arbeiten gerne mit Spanplatten oder MDF-Platten. Auch eine Wand aus Ytong-Steinen ist relativ schnell gesetzt. Das Material der Wahl für den Laien sind jedoch „Rea-Gipse“, auf die hier deshalb besonders eingegangen werden soll. Die Gipskarton-Platten aus Gips und Papierfasern gibt es in verschiedenen Dicken und Formaten. Die gängigsten Ausbauplatten sind 9,5 oder 12,5 Millimeter dick. Wollen Sie schnell voran kommen, wählen Sie Formate mit 200 bis 250 Zentimeter Länge und einer Breite von derzeit noch 125 Zentimeter. Im Zuge einer einheitlichen europäischen Norm soll diese zukünftig 120 Zentimeter betragen. Heimwerker können die sogenannten „Ein-Mann-Platten“ kaufen, die 60 Zentimeter breit sind. Diese können Sie problemlos alleine tragen und sogar durch enge Treppenhäuser transportieren. Grundsätzlich gibt es zwei Möglichkeiten, die Gipskarton-Platten zu befestigen: Sie werden entweder mit speziellem Gipskleber, dem sogenannten Ansetzbinder, auf eine bereits vorhandene massive Wand geklebt oder auf einer Konstruktion aus Holzlatten oder Metallprofilen verschraubt. Wenn Sie eine frei stehende Trennwand setzen, brauchen Sie immer zuerst dieses feste Gerüst. Nachdem die Schraubstellen und Stoßfugen verspachtelt sind und die neue Trockenbau-Oberfläche glatt geschliffen und grundiert ist, können Sie diese nach Lust und Laune tapezieren, streichen und sogar fliesen.



Trockenbau hat einige Vorteile

Zunächst einmal: Gestalten Sie Ihre Wände mit Fertigplatten, haben Sie eine preiswertere und flexiblere Lösung, als wenn Sie nachträglich massive Wände aus Ziegeln setzen. Außerdem vermeiden Sie durch das „trockene“ Bauen neue Feuchtigkeit im Raum. Trockenbau-Platten können Sie in allen Bereichen Ihres Hauses einsetzen. Lassen Sie mit ihnen zum Beispiel im Bad Ihre 20 Jahre alte Fliesenwand komplett verschwinden. Streichen Sie die neue Trockenbauwand in der gewünschten Farbe, hat Ihr Bad ein völlig neues Gesicht bekommen. Allerdings sind Gipskartonplatten nicht wasserfest. In Nassräumen müssen Sie daher immer speziell imprägnierte Platten mit einem wasserabweisenden, grünen Anstrich einsetzen. Für den Dachausbau gibt es spezielle Brandschutzplatten. Auch Rundungen bekommen Sie in den Griff. Für sie gibt es formbare, biegsame Platten. Gips kann Feuchtigkeit aus der Raumluft aufnehmen und diese bei trockener Luft auch wieder abgeben. Die Folge: Trockenbau-Wände erzeugen ein angenehmes Raumklima. Außerdem sind Gipskartonplatten ein schlechter Wärmeleiter. Ihre Räume werden so schneller warm und Sie sparen Energie.
Auch Elektro- und Sanitärinstallationen können hinter einer dünnen Trockenwand galant verschwinden. Bei Neubauten entfällt so das teure Verlegen in der Wand. Und bei Umbauten verschwinden zusätzlich benötigte Leitungen entweder zwischen der massiven Wand und dem Gipskarton oder zwischen Gipskarton und der Holz- beziehungsweise Metallkonstruktion. Wichtig: Klären Sie den Verlauf der gesamten Elektrik, bevor Sie die Trockenbauplatten setzen, sonst müssen Sie Ihre sorgsam gesetzte Wand vielleicht noch einmal einreißen. Für Schalterdosen müssen Sie zusätzlichen Raum schaffen. Normalerweise wird die Dose vor dem Trockenbau so in den Unterbau (Wand oder Unterkonstruktion) eingebracht, dass sie ungefähr zwei Zentimeter herausragt.
Wer bei Umbauten mit Trockenwänden arbeitet, muss kein Mauerwerk beschädigen. Der Schallschutz bleibt so gewahrt.
Durch das relativ geringe Gewicht von Trockenbau-Trennwänden vermeiden Sie auch Probleme mit der zulässigen Bodenbelastung. Platten aus Gipskarton lassen sich leicht zuschneiden. Ein scharfes Teppichmesser genügt. Und last but not least: Wenn Ihnen der Ausbau nicht gefällt, können Sie ihn relativ schnell wieder rückbauen - auch in Eigenregie.
Trockenbau auf Holz

Unerlässlich bei einer frei stehenden Trockenbauwand ist wie bereits kurz beschrieben eine tragfähige Unterkonstruktion. Sie bietet sich auch dann an, wenn Sie die Gipsplatten an unebenen Wänden anbringen. Die Unterkonstruktion besteht aus einem umlaufenden Rahmen aus Latten, die flach am Boden, an den Begrenzungswänden und an der Decke mit Rahmen- oder Nageldübeln angedübelt werden. In nassen Räumen brauchen Sie spezielle Phosphorschrauben. Der Dübelabstand sollte maximal 60 Zentimeter betragen. Wenn Sie eine Tür oder einen offenen Durchgang in der Wand planen, unterbrechen Sie an dieser Stelle die Bodenleiste. Als beidseitige Begrenzung wird ein Kantholz angebracht, an dem Sie später auch die Türzarge verankern können. Am Rahmengerüst werden in Längs- oder Querrichtung zur Standsicherheit noch zusätzliche Holme am Rahmen befestigt. Ihr Abstand hängt von der Platte ab. Je dicker eine Gipskartonplatte ist, desto „eigenständiger“ hält sie. Fragen Sie im Fachgeschäft nach der Standfestigkeit Ihrer Platte. Trockenbau-Experten raten in jedem Fall dazu, die zusätzlichen Holme im gleichen Abstand anzubringen. Außerdem müssen Sie für Ihren Unterbau aus Holz unbedingt trockenes Material verwenden, damit sich der Rahmen nicht verzieht.

Trockenbau auf Metall

Wer anstatt einer tragenden Holzkonstruktion ein Ständerwerk aus Metallprofilen wählt, dübelt U-Profile am Boden und an den Decken an. Die Wandanschlüsse werden mit C-Profilen erstellt, die einfach in die U-Profile eingebracht werden.
Wer Wert auf Schallschutz legt, muss die Hohlräume der Holz- oder Metallkonstruktion mit Mineralfaserplatten „ausstopfen“. Die fünf Zentimeter dicken, steifen Mineralfaserplatten werden direkt in die Hohlräume eingepasst. Wer es sich leicht machen will, kann Gipskartonplatten kaufen, die bereits mit einer Dämmauflage aus Polystyrol-Hartschaum oder Mineralfaserplatten versehen sind. Sie erlauben Einbau und Dämmen in einem Arbeitsgang. Wer per Trockenbau zum Beispiel ein Kinderzimmer in zwei Räume teilt, legt vielleicht Wert auf besonderen Schallschutz. In diesem Fall müssten Sie zwei Rahmen-Konstruktionen mit circa einem Zentimeter Abstand bauen, die mit Mineralfaserwolle gedämmt werden. Durch die schalltechnisch voneinander getrennten Wände erreichen Sie hohe Schallschutzwerte.
Wenn Sie schwere Gegenstände wie Waschbecken auf der Trockenwand anbringen wollen, müssen Sie, bevor die diese gesetzt wird, Querriegel in die Unterkonstruktion dübeln. Eine solide Metallkonstruktion hält viele Kilogramm Belastung aus. Lassen Sie grundsätzlich zwischen Decke und Boden circa 0,5 Zentimeter Luft. Die Dehnungsfugen werden mit Acryl ausgespritzt.

Platten direkt auf Wände kleben

Die Trockenbau-Platten können Sie auch direkt auf glatte Flächen kleben und so etwa eine Betonwand verschwinden lassen. Bevor Sie die Platten auf der vorbereiteten Fläche aufsetzen, muss der Untergrund in der Regel mit einer Tiefengrundierung vorbehandelt werden. Die Platten werden mit auf die Plattenrückseite aufgebrachtem Ansetzbinder verklebt. Auf die Plattenmitte setzen Sie im Abstand von etwa 50 Zentimeter handtellergroße, circa vier Zentimeter dicke Kleberbatzen. Bei breiteren Platten werden die Batzen in einer Doppelreihe aufgebracht. Die erste Platte bringen Sie nach dem vorher markierten Lot auf und richten sie mit der Wasserwaage aus. Eine lange Richtlatte zeigt Ihnen, ob die Platte stärker angedrückt werden muss, um Unebenheiten zu vermeiden. Außerdem gleichen die Mörtelbatzen Unebenheiten aus. Ein zusätzlicher Expertentipp: Unebenheiten können Sie auch sachte mit einem Gummihammer ausklopfen. So wird Platte für Platte eben angebracht.

Sauber arbeiten bis zum Schluss

Wenn die Wände ringsum verkleidet sind und der Ansetzbinder abgebunden hat beziehungsweise die Trockenplatten mit der Unterkonstruktion verschraubt sind, werden die Stoßfugen zwischen den Platten mit Fugenspachtel verspachtelt. Wer spätere Risse an den Stoßfugen vermeiden will, legt Glasfaserbänder über die Stoßfugen und verspachtelt diese. Bei Außenecken arbeiten Sie zum Schutz vor Stößen Eckschienen in die Spachtelmasse ein. Die sauber gespachtelten und geschliffenen Flächen werden schließlich noch mit einer Tiefengrundierung versehen. Sie sorgt dafür, dass die Platte Farben oder Tapetenkleister gleichmäßig aufnimmt. Auch schützt sie den Gipskarton vor Beschädigung, sollten Sie sich nach ein paar Jahren für eine andere Gestaltung entscheiden. Anschließend haben Sie bei der Wahl Ihres Wanddekors völlig freie Hand: tapezieren, Dekorfliesen aufkleben, streichen – alles ist möglich.

Doris Goossens
in Zusammenarbeit mit Egger Trend exklusiv für die Baufachzeitschrift "Der Navigator"